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Endoparasiten: Neue Erkenntnisse

Wie oft muss ich meinen Hund entwurmen? Um dies zu entscheiden, sollte man wissen wo und wie sich das eigene Tier anstecken kann.

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Giardien

Giardien (Einzeller) gehören neben Spulwürmern zu den am häufigsten vorkommenden Darmparasiten beim Hund. Bei Patienten mit Durchfall kann bei fast einem Viertel der Tiere ein Giardienbefall als Ursache nachgewiesen werden. Bei Welpen, Jungtieren oder Tieren aus Haushalten mit mehreren Tieren ist von einem noch deutlich höheren Prozentsatz auszugehen.

Symptome

In der Regel zeigen Jungtiere chronische oder wiederkehrende schleimige Durchfälle, selten mit Blutbeimengung, teilweise kombiniert mit Erbrechen. Als Folge der schlechten Nahrungsauswertung nehmen die Tiere ab oder kümmern.
Bei erwachsenen Tieren verläuft der Befall häufig symptomlos, sie scheiden aber die Erreger mit dem Kot aus.

Therapie

Zur Therapie ist in Deutschland nur ein Medikament (Panacur) für Hunde zugelassen. Das Präparat soll in zwei Intervallen verabreicht werden. Hygienemaßnahmen sind sehr wichtig, um eine Reinfektion zu vermeiden.

Gefahr für den Menschen

Als Zoonoseerreger stellen sie auch für den Menschen eine Gefahr dar. Beim Menschen stellt ein Giardienbefall vor allem in Ländern mit mangelnder Hygiene ein Problem dar. Bei uns ist eine Übertragung von Hund auf Mensch möglich, Gott sei Dank aber nicht die Regel.
Allerdings wurden in einer neueren Studie gerade bei Hunden, die selbst symptomlos waren, vermehrt humanpathogene Giardien nachgewiesen. Daher raten wir, zumindest einmal jährlich bei der Jahresuntersuchung, eine Kotprobe auf Giardien untersuchen zu lassen. Leben kleine Kinder oder ältere Personen mit einem geschwächten Immunsystem mit Tieren zusammen, ist solch eine Untersuchung eventuell auch öfter anzuraten.

Spulwürmer- und Hakenwürmer

Spul- und Hakenwürmer kommen bei Hunden in jeder Altersgruppe vor. Welpen können sich bereits im Mutterleib oder über die Muttermilch anstecken. Später erfolgt die Ansteckung über Wurmeier, die mit dem Kot ausgeschieden werden.

Symptome

Bei erwachsenen Hunden verläuft ein Befall mit Spul- und Hakenwürmern meist symptomlos. Bei Welpen hingegen können schwere Erkrankungen, wie starke Durchfälle, Erbrechen, Gewichtsverlust oder Kümmern hervorgerufen werden.

Gefahr für den Menschen

Auch der Mensch kann sich mit Spul- und Hakenwürmern infizieren. Besonders anfällig sind Kinder, da sie häufig sehr engen Kontakt zu den Tieren haben. Aber auch auf Spielplätzen und in Gärten reichern sich Parasiteneier an und bleiben Monate bis Jahre lebensfähig. Eine Untersuchung an holländischen Schulkindern ergab, dass bis zu 11% der Kinder mit Spulwurmlarven infiziert waren. Gott sei Dank verläuft eine Infektion beim Mensch meist symptomlos, befallene Kinder neigen jedoch häufiger zu allergischen Reaktionen wie Asthma, Bronchitis oder Ekzemen. In Einzelfällen kann es durch Wanderung der Larven auch zu einer Schädigung von Nervenbahnen, Gehirn oder Auge kommen.
Eine andere Studie hat gezeigt, dass über 20 % aller Hunde, vor allem Welpen und Junghunde, Spulwurmeier in ihrem Fell tragen, so dass hier eine Ansteckung des Menschen erfolgen kann.

Vorbeugung

Hundewelpen werden ab der 2. Lebenswoche, regelmäßig alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach dem Absetzen entwurmt.
Eine Entwurmung von erwachsenen Hunden muss mindestens alle drei Monate erfolgen.
Bei Kontakt mit Kindern, Senioren und immungeschwächten Personen sollte sie sogar monatlich erfolgen.

Bandwürmer

Bei Hunden kommen verschiedene Bandwurmarten im Dünndarm vor. Die Ansteckung erfolgt durch Fressen von Nagetieren, die entsprechende Bandwurmstadien in sich tragen. Für Erkrankungen bei Menschen spielen nur die Echinococcusarten eine Rolle.
Der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) wird durch infiziertes Fleisch übertragen. Er kommt nur beim Hund vor und ist in Deutschland noch relativ selten. Allerdings besteht die Gefahr der Einschleppung aus südlichen und östlichen Ländern. Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist in Mitteleuropa ein weit verbreiteter Darmparasit des Fuchses (bis zu 70%) und tritt auch bei Hunden auf. Füchse scheiden mit dem Kot Parasiteneier v.a. in Lebensräumen der Zwischenwirte (Komposthaufen, Gemüsegärten usw.) aus. Hunde infizieren sich durch Aufnahme der Zwischenwirte. Aber auch durch Wälzen der Hunde in Fuchskot können sie mit Echinococcuseiern kontaminiert sein.

Symptome

Der Befall von Hunden verläuft in der Regel asymptomatisch.

Gefahr für den Menschen

Bei Ansteckung mit Echinococcusarten kommt es beim Menschen zu Zystenbildung in der Leber und/oder anderen Organen Die so genannte alveoläre Echinococcose kann im Falle des Fuchsbandwurms für Menschen sogar tödlich sein.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass Hunde die Nagetiere jagen und nicht regelmäßig (d.h. monatlich!) entwurmt werden an erster Stelle für das Erkrankungsrisiko des Menschen standen. Im Gegensatz dazu stand der Verzehr von ungewaschenen Waldbeeren als Risikofaktor an letzter Stelle.

Vorbeugung

Hunde, die Nagetiere jagen oder unbeaufsichtigt Auslauf haben, sowie jagdlich geführte Hunde sollen daher einmal monatlich gegen Bandwürmer behandelt werden
Auch in rohem Fleisch können Bandwurmstadien sein. Daher ist es wichtig, Fleisch entweder zu erhitzen (Kerntemperatur 65 °) oder das Fleisch eine Woche bei mindestens Minus 17°C einzufrieren, um die Bandwurmstadien abzutöten. Werden die eben besprochenen Maßnahmen nicht eingehalten, sollten Hunde, die Rohfleisch fressen, ebenfalls monatlich entwurmt werden.

Schlussfolgerung

Alle ausgewachsen Hunde sollten mindestens alle drei Monate entwurmt werden. In einzelnen Fällen kann eine monatliche Entwurmung nötig sein.
Grundsätzlich sind Kotuntersuchungen alternativ möglich. Um aber ein möglichst sicheres Ergebnis zu erzielen, müssen Sammelkotproben über drei Tage untersucht werden und die Häufigkeit entspricht den empfohlenen Entwurmungsschemen. Ein hundertprozentiger Ausschluss ist dennoch nicht möglich, da eine Kotprobe während der Entwicklungszeit der Würmern nach Infektion noch negativ ist beziehungsweise infektiöse Stadien unregelmäßig ausgeschieden werden. Daher empfehlen wir Kotuntersuchungen nicht als wirkliche Alternative zur Entwurmung.

Dr. Sabine Fischer

4 Kommentare

  1. Also ich verwende nicht so etwas starkes wie Profender. Mein Hund leidet unter einer Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse und hat sonst drei Tage ganz schlimme Probleme mit Magen und Darm. Ich entwurme deshalb pflanzlich.

    • Wenn man auf Entwurmungsmittel verzichten will, ist es sinnvoll alle drei Monate eine Sammelkostprobe auf Parasiten untersuchen zu lassen, und wirklich nur bei Befall zu entwurmen
      Dr.S. Fischer

  2. Ich glaub, das wie oft man den Hund entwurmt, hängt auch damit zusammen, welches Präparat man dem Hund gibt. Wenn man z.B. Profender verwendet, dann reicht es, wenn man es dreimal pro Jahr macht. Früher hab ich auch zuerst die Kotprobe untersuchen lassen aber da sie eh oft positiv war, bin ich zum Schluss gekommen, dass es sinnvoller ist, den Hund regelmaessig zu entwurmen.

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