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Infektionskrankheiten des Hundes

Parvovirose

Die Parvovirose, auch als Katzenseuche des Hundes bekannt, ist eine noch häufig tödliche verlaufende Infektionskrankheit des Hundes. Der Erreger ist ein Parvovirus, welches sich in den letzten Jahren so verändert hat, dass eine Übertragung auch zwischen Hund und Katze erfolgen kann. Das Virus wird in großen Mengen mit dem Kot erkrankter Tiere ausgeschieden.

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Ein Gramm Kot enthält so viel Virusmaterial, dass es für die Infektion von einer Million Hunden ausreichen würde. Die Übertragung dieses Virus kann durch Kontakt von Hund zu Hund erfolgen, aber auch durch den Menschen über die Kleidung oder die Schuhe übertragen werden, da dieses Virus sehr widerstandsfähig ist und über Monate bis Jahre in der Umwelt überleben kann. Früher starben erkrankte Junghunde häufig akut an einer Herzmuskelentzündung. Heutzutage kommen vor allem Entzündungen des Magen-Darmtraktes mit Zerstörung der Darmschleimhaut vor. Klinische Symptome sind Fieber, starke wässrig-blutige Durchfälle und oft unstillbares Erbrechen. Durch den starken Flüssigkeitsverlust kommt es sehr häufig zu einem Kreislaufversagen. Die Schädigung der Darmschleimhaut ermöglicht Darmbakterien in die Blutbahn zu gelangen und es kommt dadurch zu einer Blutvergiftung.
Die Verdachtsdiagnose kann sehr leicht anhand des klinischen Bildes in Kombination mit einem im Blut feststellbaren Abfallen der weißen Blutkörperchen gestellt werden. Durch den Nachweis von Parvoviren im Kot kann diese bestätigt werden. Dieser Schnelltest kann in der Praxis durchgeführt werden.
Hunde, die an Parvovirose erkrankt sind benötigen eine Intensivtherapie. Wichtig ist vor allem durch intravenöse Infusionen den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Antibiotika sind in jedem Fall nötig. Neben der symtomatischen Therapie gibt es auch virusspezifische Massnahmen. Hierzu zählt zum einen die Verabreichung von Hyperimmunseren, die große Mengen an Parvovirusneutralisierenden Antikörpern enthalten und eine Ausbreitung des Virus im Körper verhindern sollen. Zum anderen existiert seit einiger Zeit ein virusspezifisches Therapeutikum, das Interferon. Dennoch kann trotz Intensivmedizin die Erkrankung noch immer tödlich enden. Die Parvovirsoe ist in Deutschland durch regelmäßige Impfung gut kontrolliert. In Zuchten, die nicht regelmäßig impfen (z.B. Massenzuchten in Osteuropa) kommen Parvovirusinfektionen noch immer häufig vor.

Staupe

Die Staupe ist neben der Parvovirose die wichtigste Infektionskrankheit des Hundes. Sie wird durch ein dem Masernvirus des Menschen sehr ähnliches Paramyxovirus hervorgerufen. Im Gegensatz zum Parvovirus ist das Staupevirus nicht sehr widerstandsfähig und wird in der Umwelt sehr schnell inaktiviert. Die Übertragung erfolgt daher hauptsächlich durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier. Auch Wildtiere wie z. B. Marder können an der Staupe erkranken und diese übertragen.
Erste Krankheitsanzeichen treten etwa eine Woche nach der Ansteckung auf. Die akute Infektion ist immer durch Fieberschübe, Appetitlosigkeit und Mattigkeit gekennzeichnet. In der Regel ist der Atmungstrakt betroffen. Die Hunde haben Augen- und Nasenausfluss, der bald eitrig wird und Husten aufgrund einer Lungenentzündung. Meist ist gleichzeitig auch der Darmtrakt betroffen, sodass die Hunde auch an Durchfall und Erbrechen leiden.
Bei chronischem Verlauf der Erkrankung stehen Symptome des Zentralnervensystems im Vordergrund.
Die Erkrankung verläuft in bis zu 50 % der Fälle tödlich. Hunde, die eine Staupe überleben können bleibende Schäden zurückbehalten. Erkrankt der Hund zur Zeit der Zahnentwicklung kommt es zu Missbildungen und Verfärbung der Zähne (Staupegebiss). Auch zentralnervöse Störungen, so genannte Staupeticks wie Zittern einer Gliedmaße oder Kopfzuckungen, können als Folge einer Staupeinfektion zurückbleiben.
Die Diagnose ist aufgrund der unterschiedlichen Symptome durch eine virologische Untersuchung zu bestätigen. Der Nachweis kann in Abstrichen der Lidbindehaut, im Urin oder in Gehirnwasser erfolgen.
Die Therapie richtet sich nach den klinischen Symptomen. Auch bei der Staupe können Hyperimmunseren und Interferon versucht werden.
In Regionen, in denen weniger geimpft wird, ist die Staupe nach wie vor ein Problem. Gerade aus Urlaubsländern mitgebrachte Hunden stellen immer wieder ein Infektionsrisiko dar.

Tollwut

Die Tollwut ist eine auch für den Menschen tödlich verlaufende Infektionskrankheit und ist daher anzeigepflichtig.
In Deutschland spielt der Fuchs die Rolle des Hauptübertragers des Tollwutvirus, allerdings sind in Deutschland auch Fälle bei Fledermäusen bekannt. In Ländern wie Indien stellen sehr häufig streunende Straßenhunde die Überträger des Virus dar und es sterben jährlich Tausende von Menschen an Tollwut.
Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch den Biss eines infizierten Tieres, welches das Virus in großen Mengen im Speichel trägt. Das Virus wandert entlang der Nervenbahnen ins Gehirn. Hier kommt es zu einer massiven Virusvermehrung. Über die Nervenbahnen verbreitet sich das Virus im Körper, wandert unter anderen in die Speicheldrüsen und wird mit dem Speichel ausgeschieden. Der Speichel kann schon einige Tage vor Auftreten klinischer Anzeichen Viren enthalten. Typische Symptome sind Wesensveränderungen wie Aggressivität, Lähmungen, Speicheln und Wasserscheue, seltener Krampfanfälle. Ein bis sieben Tage nach Auftreten erster Anzeichen tritt der Tod ein.
Tiere mit Verdacht auf Tollwut dürfen nicht therapiert werden. Eine Diagnosestellung am lebenden Tier ist nicht möglich. Die Diagnose wird durch Untersuchung von Gehirnmaterial gestellt.

Hepatitis Contagiosa Canis

Auch beim Hund gibt es eine ansteckende Leberentzündung, verursacht durch ein Adenovirus. Auf den Menschen ist diese Virushepatitis aber nicht übertragbar. Durch erfolgreiche Impfung wird bei uns im Moment diese Erkrankung nicht gesehen, ist aber in osteuropäischen Ländern noch verbreitet. Die Krankheit beginnt, wie alle Virusinfektionen, mit Fieber, reduziertem Allgemeinbefinden und Appetitlosigkeit. Weitere Symptome sind Leberschwellung mit Gelbsucht, Bauchschmerzen und Durchfall, seltener auch Gehirnentzündungen. Bei Welpen können auch plötzliche Todesfälle auftreten.

Leptospirose

Die Leptospirose des Hundes, auch als Stuttgarter Hundeseuche bezeichnet, wird durch verschiedene Stämme des Bakteriums Leptospira interrogans hervorgerufen.
Leptospiren kommen bei vielen Tierarten vor. Auch der Mensch kann an Leptospirose erkranken. Die Ansteckung erfolgt entweder über Kontakt mit infizierten Hunden oder Nagetieren, oder durch mit Nager – oder Rinderurin verunreinigte Gewässer. Eine Umgebung mit stehenden oder langsam fliessenden Gewässern begünstigt das Überleben der Leptospiren. Badet der Hund in einem solche Wasser oder trinkt daraus, gelangen die Erreger über Hautläsionen oder über die Schleimhaut in den Körper.
Die klinischen Anzeichen einer Leptospirose sind meist relativ unspezifisch. Anfangs zeigen die Hunde nur starke Müdigkeit und Bewegungsunlust, im weiteren Verlauf kommt es zu Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Durchfall. Relativ häufig kommt es bei einer Infektion zu einer Schädigung der Nieren und der Leber. Aber auch Gerinnungsstörungen oder Gehirnhautentzündungen können auftreten.
Die Diagnosestellung erfolgt zum einen durch Titerbestimmungen im Blut. Zum anderen können die Erreger im Urin nachgewiesen werden. Allerdings kann eine mehrmalige Urinuntersuchung nötig sein, da die Erreger schubweise ausgeschieden werden.
Die Therapie richtet sich nach der klinischen Symptomatik. Gegen die Leptospiren sind Kombinationen verschiedener Antibiotika Therapie der Wahl.

Eine jährliche Impfung ist notwendig und sinnvoll. Diese sollte bevorzugt im Frühjahr erfolgen, da im ersten halben Jahr der Impfschutz am besten ist und im Frühjahr und Sommer die Ansteckungsgefahr am höchsten ist.

Zwingerhustenkomplex

Zwingerhusten ist eine Faktorenerkrankung, d. h. dass mehrere Ursachen zu einer Erkrankung beitragen. Wie der Name schon sagt, tritt diese Erkrankung häufiger in Hundezwingern auf, oder nach Besuchen von Hundeplätzen. Zum einen führen als Erreger das Parainfluenzavirus und das Bakterium Bordetella bronchiseptica zu einer Schädigung der Schleimhaut des Atmungstraktes. Auch klimatische Bedingungen wie Kälte und Feuchtigkeit spielen eine Rolle, so dass diese Erkrankung relativ häufig im Herbst oder Frühjahr auftritt. Die Erkrankung beginnt mit Nasenausfluss, Husten. Oft bleibt die Infektion auf die oberen Atemwege beschränkt, in einzelnen Fällen kommt es aber auch zu einer Lungenentzündung. Andere Organe sind bei dieser Infektion nicht betroffen. Der Zwingerhusten verläuft meist nicht dramatisch, kann sich aber auch unter Therapie über einige Wochen hinziehen. Neben abwehrsteigernden Maßnahmen und Hustenmedikamente ist in den meisten Fällen die Gabe von Antibiotika sinnvoll.

Eine Zwingerhustenimpfung ist sinnvoll bei Hunden, die viel Kontakt mit Artgenossen habe, weil sie z.B. in die Hundeschule oder auf Ausstellungen gehen. Der Schutz hält dann für ein Jahr.

Borreliose

Die Borreliose des Hundes ist eine sehr seltene Erkrankung. Sie wird durch verschiedene Arten des Bakteriums Borrelia burgdorferi hervorgerufen, welche durch Zecken übertragen werden. Die Übertragung der Borrelien von der Zecke auf den Hund erfolgt in der Regel erst nach 12-24 Stunden nach Beginn des Saugens.
Durch relativ häufige Zeckenexposition unserer Hunde findet man bei Blutuntersuchungen immer wieder erhöhte Borreliose-Titer. Allerdings erkranken nur wenige Hunde mit positivem Titer wirklich an einer Borreliose. Klinische Anzeichen einer Borreliose können Fieber und wechselnde Lahmheiten sein.
Für die Diagnosestellung werden häufig folgende Kriterien herangezogen:
1.    Der Hunde hatte Zecken
2.    Der Hund zeigt Anzeichen einer akuten Arthritis.
3.    Positiver Borrelien-Titer
4.    Der Patient spricht innerhalb weniger Tage auf Antibiotikatherapie an.
Eine eindeutige Diagnosestellung ist aber nur durch eine PCR Untersuchung in einer Hautprobe möglich.
Zur Therapie werden über mehrere Wochen Antibiotika verabreicht.
Vorbeugende Maßnahmen sind sinnvoll. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung von Zeckenmitteln. Dennoch sollten Hunde täglich auf Zecken untersucht werden. Vorhanden Zecken sollten sofort entfernt werden.

Eine Impfung gegen Borreliose ist zwar auf dem Markt, allerdings nicht sinnvoll.

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