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Kastration beim Hund – ja oder nein?

Die Entscheidung für oder gegen eine Kastration bei Hündin und Rüde

Die Kastration des Hundes wurde bis vor einigen Jahren nicht wirklich in Frage gestellt. Heutzutage wird das Thema Kastration allerdings oft kontrovers diskutiert. Prinzipiell gibt es sowohl bei der Hündin als auch beim Rüden Vor- und Nachteile, die wir gegen einander abwägen müssen.

Liegen medizinische Gründe für eine Kastration vor, ist die Entscheidung meist einfach zu treffen. Anders verhält es sich, wenn es um die Vermeidung eventuell später auftretender Erkrankungen geht. Oder wenn Besitzer durch die Kastration das Verhalten ihres Hundes beeinflussen möchten.

Eine allgemeingültige Antwort kann so nicht gegeben werden. Aktuell raten viele Tierärzte jedoch eher zur Kastration bei Hündinnen. Grund hierfür ist, dass man bei unkastrierten Hündinnen im Alter oft Gebärmutterentzündungen oder Gesäugetumore sieht. Beim Rüden ist eine Kastration nur verpflichtend, wenn medizinische Gründe (z.B. Hodentumore, Hodenhochstand) vorliegen.

Hundekastration Hündin Rüde

Eine individuelle Entscheidung: Hundekastration – ja oder nein?

Letztendlich wird es jedoch immer eine individuelle Entscheidung sein, die Sie als Hundebesitzer gemeinsam mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens treffen.

Wir informieren Sie daher in diesem Beitrag umfassend über das Thema Kastration, damit Sie in der Lage sind, die für Sie und Ihren Vierbeiner richtige Entscheidung zu treffen.

Inhaltsverzeichnis
1. Vorteile einer Kastration bei der Hündin
2. Vorteile einer Kastration beim Rüden
3. Nachteile bzw. Risiken einer Kastration
4. Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation beim Hund
5. Zeitpunkt der Kastration / Frühkastration
6. Alternativen zur Hundekastration
7. Video – Kastration einer Hündin

Vorteile einer Kastration bei der Hündin und medizinische Indikationen

Verhinderung unerwünschter Trächtigkeit

Am augenscheinlichsten für den Besitzer ist natürlich die Verhinderung unerwünschter Trächtigkeiten. Nach einer Kastration sind diesbezüglich keine Managementmaßnahmen (z.B. extreme Vorsicht bei Spaziergängen während der Läufigkeit, um den Kontakt mit aufdringlichen Rüden zu vermeiden) mehr erforderlich.

Hündin beim säugen ihrer Welpen – Soll Ihre Hündin Junge bekommen?

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Verhinderung von Scheinträchtigkeit und Blutungen während der Läufigkeit

Des Weiteren verschwinden nach einer Kastration auch die negativen Begleiterscheinungen, die mit dem hormonellen Zyklus der Hündin verbunden sind. Hierunter fallen beispielsweise Blutflecken in der Wohnung, während der Läufigkeit, sowie das Verhaltensprobleme der Hündin während einer Scheinträchtigkeit (extreme Unruhe, Nestbauverhalten, aggressives Verhalten).

Risikominimierung für Gesäugetumore

Eine Kastration senkt das Risiko für Hunde im Alter Gesäugetumore zu entwickeln. Um das Risiko zur Entstehung dieser Gesäugetumoren bei dem individuellen Hund richtig abzuschätzen, müssen auch Einflussfaktoren wie Ernährung, Hormonbehandlungen sowie die Rassenzugehörigkeit berücksichtigt werden. Studien zufolge bekommt jede vierte unkastrierte Hündin im Alter diese Art der Tumore. Laut anderen Studien sind es deutlich weniger Hündinnen, die erkranken. Fakt ist, wenn die Tumore auftreten, sind sie in circa 50% bösartig und ziehen dann eine Entfernung der Brustdrüsen nach sich. Findet die Kastration noch vor der ersten Läufigkeit statt, so wird das Risiko für die Entwicklung dieser Tumore auf 0,5% reduziert. Nach der ersten Läufigkeit haben die Hündinnen ein relatives Risiko von 8%. Der Effekt der Risikominimierung sinkt mit der zweiten Läufigkeit stark ab.

Risikominimierung für Gebärmutterentzündung

Auch das Risiko an einer Gebärmutterentzündung zu erkranken wird durch eine Kastration gesenkt. Da der Zyklus der Hündin im Vergleich zu anderen Tieren lang andauert, können sich Erreger, die während der Läufigkeit eindringen, bei nicht trächtigen Tieren im Uterus einnisten. Die Erreger haben lange Zeit die Gebärmutter zu infizieren und der Körper erkennt die zunehmende Füllung der Gebärmutter nicht als Erkrankung, sondern empfindet diese ähnlich wie eine Trächtigkeit. Ist nach einer Kastration der Hormonzyklus unterbrochen, so schwindet auch die Anfälligkeit für diese schwere Erkrankung.

Kastration als Therapiemaßnahme bei Erkrankungen der Geschlechtsorgane

Neben diesen risikosenkenden Effekten einer Kastration, wird die Kastration ebenfalls bei einer Reihe von Erkrankungen als Therapiemaßnahme eingesetzt. Diese sind vor allem Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates, wie zum Beispiel Eierstockzysten, Eierstocktumoren, oder Erkrankungen der Gebärmutter.

Kastration als Therapiemaßnahme bei Diabetes

Aber auch bei einer Form des Diabetes mellitus ist die Kastration der erste Schritt zur erfolgreichen Therapie: Unkastrierte, ältere Hündinnen sind prädisponiert an Diabetes mellitus zu erkranken. Der Grund dafür ist die Hormonaktivität nach der Läufigkeit, die zu einer Insulinresistenz führen kann. Nach einer Kastration ist diese Form der Erkrankung oftmals reversibel.

Vorteile der Kastration beim Rüden und medizinische Indikationen

Verhinderung unerwünschter Trächtigkeit fremder Hündinnen

Durch diesen Eingriff verliert der Rüde seine Zeugungsfähigkeit und zum großen Teil auch sein Interesse an läufigen Hündinnen. Dies ist vor allem wichtig, wenn Rüden mit Hündinnen gemeinsam im Haushalt leben. Unerwünschte Trächtigkeiten werden somit verhindert.

streunender unkastrierter hund

Unkastrierter streundender Rüde

Verhinderung von Ungehorsam und Streunen

Der Geruch von läufigen Hündinnen führt bei vielen Rüden zu einem völlig veränderten Verhalten. Manche verweigern sogar das Futter. Viele sonst sehr folgsame Rüden gehorchen gar nicht mehr, beginnen zu streunen und leider kommt es dadurch immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen.

Reduzierung von aggressivem Hundeverhalten

In vielen Fällen sollen Rüden aber kastriert werden, um unerwünschtes geschlechtsgebundenes, oft aggressives Verhalten zu beeinflussen. In diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung verschiedener Aggressionsarten wichtig. Grund hierfür ist, dass nicht alle durch die Kastration gleichermaßen beeinflusst werden. So hat die Kastration keinerlei Effekt auf die Aggressivität in Zusammenhang mit Futter, aufgrund von Angst oder schlechten Erfahrungen. Konflikte und Beißereien mit männlichen Artgenossen dagegen lassen sich durch eine Kastration mehr oder weniger verhindern. Hatte der Hund jedoch schon vor der Kastration viele negative Erfahrungen mit anderen Rüden, können diese selbstverständlich nicht durch eine Kastration rückgängig gemacht werden. Grundsätzlich gilt, dass der Effekt der Kastration auf das Verhalten umso geringer ist, je später die Operation erfolgt. Gute Erziehung oder sogar eine gezielte, verhaltenstherapeutische Therapie kann und soll eine Kastration aber nicht ersetzen.

Hygiene: Ausfluss und penetrantes Harnmarkieren vermeiden

Der sogenannte „Präputialkatarrh“ (Vorhautentzündung) ist ein typisches Problem unkastrierter Rüden. Hierbei kommt es zu weißlich-grüner Ausfluss aus der Vorhautöffnung. Teilweise kann dieser sehr stark sein und für den Besitzer ein hygienisches Problem darstellen. Nach Kastration verschwindet der Katarrh nach wenigen Tagen. Kastrierte Rüden heben weiterhin das Bein beim Urinabsatz, aber weit weniger häufig als unkastrierte Artgenossen. Penetrantes Harnmarkieren wird durch eine Kastration reduziert.

Medizinische Gründe für eine Kastration

Eine Kastration des Rüden ist aus medizinischen Gründen notwendig bei Kryptorchiden, also wenn die Hoden nicht in den Hodensack abgestiegen sind. Die Gefahr der Tumorentwicklung der Hoden ist nämlich in diesem Fall deutlich erhöht. Weitere Gründe sind Prostataerkrankungen, Hodentumore, Tumoren im Perianal Bereich oder Perinealhernien.

Nachteile bzw. Risiken einer Kastration bei Hunden

Jede Operationen birgt immer Risiken

Die Kastration wird mit Hilfe eines operativen Eingriffs in Vollnarkose durchgeführt und ist demzufolge verbunden mit Komplikationen, die während und nach einer Operation auftreten können. Es kann zu Blutungen während und nach der Operation, sowie Wundheilungsstörungen kommen. Da der Eingriff nur unter Vollnarkose durchführbar ist, können, wie bei jeder Operation, Narkosezwischenfälle auftreten. Allerdings ist heutzutage eine sehr schonende Narkosetechnik inklusive moderner Monitorüberwachung möglich, die dieses Risiko deutlich minimieren.

Daneben gibt es allerdings auch Komplikationen, die langfristige Folgen nach sich ziehen:

Fellveränderungen

Durch den veränderten Hormonstatus können langhaarige Rassen, wie Langhaardackel, Setter oder Cocker Spaniel ein vermehrtes Wachstum der Unterwolle entwickeln, welches zu welpenähnlichen, „puscheligen“ Fellveränderungen führt. Sehr selten kommt es zu einem Haarausfall, meist beidseitig in der Flankengegend.

Kastrationsbedingte Verhaltensprobleme

Auch Verhaltensänderungen sind nach einer Kastration möglich. Durch die hormonelle Umstellung können Verhaltensprobleme wie Angst und Unsicherheit verstärkt werden.

Verstärkter Spieltrieb – ungeeignet für Schutzhunde

Angeblich bleiben früh kastrierte Hündinnen in ihrem Verhalten sehr verspielt, was von den meisten Besitzern nicht als Nachteil aufgefasst wird. Soll der Hund allerdings als Arbeitshund oder Schutzhund ausgebildet werden, warten viele Hundehalter die erste Läufigkeit ab, bevor die Hündin kastriert wird. Ob nach einer Frühkastration das Spielverhalten gesteigert ist, konnte aber bisher in Studien nicht eindeutig bewiesen werden. Besonders die Angst vor Sturm und Gewitter trat laut Studien bei kastrierten Hunden 4,1 mal öfter auf, als bei unkastrierten.

unkastrierte Wachhunde

Unkastrierte Wachhunde

Probleme zwischen Kastraten und unkastrierten Hunden

kastrierter unkastrierter Rüde

Kampf zwischen einem kastrierten und unkastrierten Rüden

Obwohl das Verhalten von frühzeitig kastrierten Rüden gegenüber ihren Artgenossen in der Regel sehr friedfertig ist, zeigen die sexuell intakten Rüden zum Teil einen sehr unangenehmen Umgang mit kastrierten Rüden. Die kastrierten und somit „geschlechtsneutralen“ Rüden werden aufdringlich beschnuppert und teilweise bestiegen. Dieses Dominanzgebahren wird vom Kastraten nur selten toleriert und ein deutliches Abwehrverhalten kann ihm in der Folge nicht übel genommen werden.

Weniger Energiebedarf und Gewichtszunahme

Nach einer Kastration sinkt der Energiebedarf um bis zu 30%. Gleichzeitig fällt die Appetit hemmende Wirkung der Geschlechtshormone weg. Wird nach der Kastration das gleiche Futter in derselben Ration weiter gefüttert, so kommt es unweigerlich zu einer Gewichtszunahme. Wird jedoch nach der Kastration auf ein Futter für kastrierte Hunde umgestellt und der Hund ausreichend bewegt, so bekommt man dieses Problem gut in den Griff.

Harninkontinenz bei Hündinnen möglich

Als eine weitere unangenehme Folge einer Kastration, kann bei Hündinnen eine Harninkontinenz auftreten. Der Grund hierfür ist eine Störung des Verschlussmechanismus der Harnröhre. Es sind vor allem großrassige Hündinnen betroffen und hierbei insbesondere die Boxer. Die Inkontinenz äußert sich meist nur im Schlaf und oft nur tröpfchenweise. Meist kann dieses Problem mit gut verträglichen Medikamenten behoben werden. Bei Rüden tritt Harninkontinenz nur in einzelnen Fällen auf.

Orthopädische Probleme möglich

Röntgenbild Hüftgelenkdysplasie Hund

Röntgenbild einer Hüftgelenkdysplasie beim Hund

Auch das Auftreten orthopädischer Probleme nach einer Kastration wird diskutiert. So trat in Studien mit Boxern, Golden Retrievern und Labrador Retriever bei kastrierten Tieren häufiger ein Riss des vorderen Kreuzbandes, sowie die Entwicklung einer Hüftgelenksdysplasie auf. Bei letzterer ist das Risiko deutlich höher, wenn der Eingriff früh durchgeführt wird.

Krebsrisiko? – noch unklare Forschungsergebnisse

Wie bereits erwähnt wird durch eine Kastration das Auftreten von Gesäugetumoren gesenkt. Aktuelle Studien allerdings weisen darauf hin, dass das Risiko für andere Krebsarten nach einer Kastration deutlich ansteigt. Diesen Studien zufolge, erkranken kastrierte Hunde häufiger an Mastzelltumoren (3,5-fach höheres Risiko), Hämangiosarkomen (9-fach höheres Risiko), Lymphosarkomen (4,3-fach höheres Risiko), sowie an anderen nicht näher spezifizierte Tumoren (5–fach höheres Risiko). Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung waren diese Tiere auch deutlich jünger als unkastrierte. Allerdings war die durchschnittliche Überlebenszeit der kastrierten und unkastrierten Tiere dennoch gleich, obwohl diese bei doch bösärtigen Tumoren ja dann deutlich erniedrigt sein sollte. Anderen Studien nach, steigt das Risiko für die Erkrankung an einem Osteosarkom (Knochenkrebs) bei kastrierten Hunden um das drei- bis vierfache an. Prostatakarzinome treten v.a. bei kastrierten Rüden auf. Forscher diskutieren derzeit, welchen Einfluss das Fehlen der Geschlechtshormone auf das Immunsystem des Hundes sowie auf die Entstehung von Krebs haben und ob dadurch die erhöhte Anfälligkeit auf bestimmte Tumorerkrankungen erklärt werden kann. Zu beachten ist hierbei, dass es bisher leider sehr wenige großangelegte Studien gibt und hier auch Rasseunterschiede eine große Rolle zu spielen scheinen.

Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation beim Hund

Irrtum: Kastration beim Hund, Sterilisation bei der Hündin

Im alltäglichen Sprachgebrauch vieler Laien werden die Begriffe Kastration und Sterilisation oft falsch verwendet. Viele Hundebesitzer denken, dass sich der Begriff Sterilisation auf die Hündin bezieht, bei männlichen Hunden dagegen Kastration der korrekte Begriff ist. Dies ist jedoch falsch, denn sowohl männliche als auch weibliche Hunde können sterilisiert oder kastriert werden. Die Begriffe Sterilisierung und Kastrierung sind dabei keine Synonyme, sondern umschreiben unterschiedliche medizinische Eingriffe.

Definition Kastration beim Hund

Eine Kastration bei der Hündin bedeutet die operative Entfernung der Eierstöcke. Hierbei spricht man von einer Ovarektomie. Unter bestimmten Umständen muss im Zuge dessen auch die Gebärmutter entfernt werden (Ovarhysterektomie). Beides wird durch einen Eingriff in die Bauchhöhle durchgeführt. Beim Rüden versteht man unter Kastration die Entfernung der Hoden.

Hundekastration Entfernung der Eierstöcke bei der Hündin

Entfernung der Eierstöcke bei der Hündin

Definition Sterilisation beim Hund

Wird die Fortpflanzung bei der Hündin hingegen verhindert, indem die Eileiter nur abgebunden oder durchtrennt werden, so spricht man von einer Sterilisation. Hierbei bleiben nach der Operation die Geschlechtshormone aktiv. Die Hündin wird also weiterhin läufig, bekommt Blutungen und bleibt attraktiv für Rüden. Beim Rüden werden bei einer Sterilisation die Samenleiter durchtrennt. Viele Probleme, die im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten und der Aktivität der Geschlechtshormone einhergehen, bleiben daher bestehen. Deswegen wird die Sterilisation nur selten durchgeführt.

Zeitpunkt der Kastration und Frühkastration

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Kastration beim Hund?

Der Zeitpunkt der Kastration ist abhängig von den Kastrationsgründen. Daher gibt es nicht den einen richtigen Zeitpunkt. Liegt eine Erkrankung vor, die eine Kastration notwendig macht, wird zum Zeitpunkt der Erkrankung kastriert. Somit können auch ältere Hunde kastriert werden. Wird jedoch ein Hund ohne medizinischen Grund kastriert, wartet man häufig die Geschlechtsreife ab. Anders verhält sich dies bei einer Frühkastration.

Was ist einer Frühkastration beim Hund?

Allgemein versteht man unter einer Frühkastration eine Hundekastration bevor der Hund geschlechtsreif ist.

  1. Bei der Frühkastration werden Hündinnen noch vor der ersten Läufigkeit (der ersten Hitze) kastriert. Dies ist in der Regel im 6./7. Lebensmonat der Fall.
  2. Bei Rüden spricht man von einer Frühkastration, wenn diese vor Eintritt der Pubertät durchgeführt wird.

Warum ist eine Frühkastration sinnvoll?

Hauptgrund für die Empfehlung einer Frühkastration ist die Verhinderung von Gesäugetumoren im Alter. Je früher eine Kastration durchgeführt wird, desto größer ist die Risikominimierung. Bereits nach der zweiten Läufigkeit steigt das Risiko für Gesäugetumore.

Frühkastration beim Hund Operationsvorbereitung

Frühkastration beim Hund – Operationsvorbereitung

Pro Frühkastration beim Hund

  • Die Hunde zeigen auch nach dem Erwachsenwerden, also je nach Rasse im Alter ab 1,5 bis 3 Jahre, Junghundeverhalten. Damit ist nicht gemeint, dass Frühkastraten verspielter sind. Denn auch Hunde mit einer Frühkastration verspüren wie nicht kastrierte oder erst später kastrierte Artgenossen mit zunehmenden Alter weniger den Wunsch zu spielen. Grund hierfür ist, dass jeder Hund im Laufe des Alters körperlich abbaut. Mit Jundhundeverhalten bei Frühkastraten ist demnach eher das verspielt anmutendene Sozialverhalten gegenüber Artgenossen und auch dem Hundehalter gemeint.
  •  Sexualaggressionen treten nicht mehr auf.
  • Wer seine Hündin mit der höchsten Wahrscheinlichkeit vor Gesäugetumoren bewahren möchte, sollte seine Hündin vor der ersten Läufigkeit kastrieren lassen.

Kontra Frühkastration beim Hund

  • Die Geschlechtsidentität des Hundes wird nicht aufgebaut. Der Hund reift nicht zu einer erwachsenen Persönlichkeit heran.
  • Da Rüde und Hündin nicht sicher sind, was sie da vor sich haben, werden Frühkastraten oft gemobbt, überdurchschnittlich oft aufgeritten, manchmal auch, für die Halter scheinbar ohne erkennbaren Grund, gebissen. Mehrere schlechte Erfahrungen machen dann auch aus dem freundlichsten Frühkastraten einen verbitterten Hund, der selbst lieber zuerst zubeißt, bevor er wieder zum Opfer wird.
  • Die Lernfähigkeit von Frühkastraten ist etwas weniger ausgeprägt als jene von Hunden, die erst nach der Geschlechtsreife kastriert werden. Dass diese Behauptung nicht aus der Luft gegriffen ist, liegt nahe, da Arbeitshunde, also jene, die eine spezielle Ausbildung erhalten, grundsätzlich nicht früh kastriert werden.
  • Frühkastration verhindert zwar Sexualaggression, jedoch weder Besitzeraggressionen oder Revieraggression, noch ausgeprägtes Jagdverhalten.

Fazit: Frühkastration sinnvoll bei der Hündin, keine medizinischen Vorteile beim Rüden

Im Endeffekt müssen jedoch Sie als Halter entscheiden, welches Leben Sie für Ihren Hund wünschen. Bei Hündinnen haben Frühkastration wie auch Spätkastration Vorteile und Nachteile, die gut gegeneinander abgewogen werden müssen. Eines werden Sie jedoch mit keiner Form von Kastration ändern können: Das Resultat Ihrer Sozialisierung, Haltung und Erziehung.
Bei Rüden sollte man die Pubertät in jedem Fall abwarten, da es medizinisch keinen Vorteil bringt, die Rüden früh kastrieren zu lassen. Bei der Hündin dagegen sprechen medizinische Gründe wie die Vermeidung von Gesäugetumoren durchaus für eine frühe Kastration.

Alternativen zur Hundekastration

Hormonelle Kastration für Rüden: Hundekastration auf Probe

Beim Rüden kommt heutzutage vor allem der Einsatz des Suprelorin Chips in Frage. Dieser Mikro-Chip wird mit einer dickeren Spritze wie ein Implantat unter die Haut des Hundes im Nackenbereich gespritzt. Sehr vereinfacht ausgedrückt, sorgt der darin enthaltene Wirkstoff dafür, dass weniger Testosteron gebildet wird. Die Wirkdauer hängt von der Dosierung des Chips ab und hält 6 oder 12 Monate an. Dieser Chip ist nur für den Rüden zugelassen. Bei nicht medizinisch indiziertem Kastrationswunsch, empfiehlt es sich, vor einer Kastration des Rüden diese sogenannte hormonelle Kastration durchzuführen. So kann man als Hundehalter feststellen, ob man wirklich einen „kastrierten“ Rüden haben möchte. Wenn ja, kann man dann eine Kastration andenken.

Suprelorinchip Injektion beim Rüden

Kastration auf Probe – dem Rüden Balu wurde ein Suprelorin-Chip injiziert

Hormoninjektionen für Hündinnen

Bei Hündinnen kann die Läufigkeit durch regelmäßige Hormoninjektionen (Prostagene) unterdrückt werden. Diese Injektionen müssen alle 3-6 Monate verabreicht werden. Die Hündin kann nach Absetzen der Medikamente wieder läufig werden. Allerdings sollten diese Injektionen nicht dauerhaft erfolgen, da das Risiko von Diabetes, Mammatumoren (Brustkrebs), Pyometra (Gebärmuttervereiterung) deutlich zunimmt.

Bei der Ausschaltung der Hitze beziehungsweise zur Unterdrückung der Läufigkeit durch eine Hormoninjektion muss außerdem beachtet werden, dass diese zu einem genau berechneten Zeitpunkt gegeben werden muss, nämlich während der Zyklusruhe (Anöstrus). Diese kann zytologisch oder durch Hormonuntersuchung festgestellt werden. Zu einem falschen Zeitpunkt verabreicht, kann das Hormon die Gebärmutter verändern. Die Injektion ist alle drei bis sechs Monate zu wiederholen, muss aber nach der 3. oder 4. Injektion für eine normal ablaufende Hitze abgestellt werden. Als Nebenwirkungen sind Gebärmutterentzündungen, Fellveränderungen an den Injektionsstellen und Brustkrebsrisiko bei gewissen Präparaten vermutlich erhöht / Läufigkeitsdurchbrüche / Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Spritze mit Suprelorinchip in Detailansicht

Spritze mit Suprelorinchip in Detailansicht

Suprelorinchip für Hündinnen

Von manchen Kollegen wird auch der Suprelorinchip bei Hündinnen eingesetzt, obwohl dieser eigentlich nicht für die Hündin zugelassen ist. Als Nebenwirkung sind hier ebenfalls die Entstehung von Gebärmutterentzündung zu nennen. Wird das Implantat während oder kurz vor einer Läufigkeit eingesetzt, besteht die Gefahr einer Dauerläufigkeit.
Aufgrund der Nebenwirkungen muss der Einsatz einer hormonellen Kastration bei der Hündin sehr kritisch betrachtet werden. Wir setzen diese Art der Läufigkeitsverhinderung in unserer Klinik nicht ein.

Haben Sie noch Fragen zur Hundekastration? Tierärztin Dr. Sabine Fischer beantwortet Ihren Fragen gerne. Was ist Ihre Meinung zur Kastration bei der Hündin bzw. beim Rüden? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Kastration einer Hündin

18 Kommentare

  1. zeitentgeistert

    hallöchen! ich schreibe aus canada, einem land in dem mit diesem thema sehr viel entspannter umgegangen wird…
    ich bin mit intakten hunden aufgewachsen und es gab IMMER probleme. seitdem ich diese entscheidungen selbst fällen kann, sind alle meine tiere kastriert worden (katzen sowie hunde – ja, sogar ratten :-)).
    dieses thema überhaupt zu diskutieren, statt logik walten zu lassen, zeugt von antiquiertem bzw. anthropomorphischem denken.
    geschlechtsreife tiere gehören in die hände von (idealerweise erfahrenen) züchtern, bei denen sie ihren sexuellen drang (halbwegs) artgerecht folgen können. alle anderen sollten aus liebe zum tier kastriert werden – und zwar vor sie geschlechtsreife!
    ich schlage vor, diesen ausgezeichneten artikel zu lesen: http://www.gehorsamerhund.de/kastration.html

  2. Wir haben unsre Hûndin vor 8Tagen bei nah verloren.Sie hatte eine Gebärmutter vereiterung weil wir zulange gewartet haben.Sie war nach jederLäufwigkeit immer Scheinschwanger hätte wir nur nicht so lange gewartet mit 9Jahre ist das nicht mehr so einfach für den Hund.

    • Das tut mir leid mit Ihrer Hündin. Unsere Hündin wird jetzt im April 2 Jahre alt. Sie ist ein Schnauzer-DSH Mix. Gerade das 2. mal Läufig. Wir sind uns auch nicht sicher ob wir es tun sollen oder nicht. Du fragst 10 verschiedene Leute und jeder gibt dir eine ander Antwort.

  3. Hallo ich habe eine Frage wir haben einen Border Collie Mix ist jetzt 10 Monate und wissen nicht was wir machen sollen die einen sagen ja zum Kastrieren die anderen auf keinen Fall . Sie wahr bis jetzt einmal läufig .

    • Sehr geehrte Frau Schmidt,

      Leider kann Ihnen diese Entscheidung niemand abnehmen, da es Vor- und Nachteile gibt. Wir raten im Moment i.d.R. bei Hündinnen eher zu einer Kastration, bei Rüden nur bei medizinischer Indikation. Von hormonellen Läufigkeitsunterdrückung raten wir aufgrund der Nebenwirkungen ab
      Am besten Sie besprechen das Thema auch noch mal mit Ihrem Tierarzt.

      Dr. S. Fischer

  4. Meike Hausberg

    Hallo!

    Diese Informationen unterstützen meine Entscheidung, Ruby kastrieren zu lassen. Dennoch bin ich froh, die erste Laeufigkeit abgewartet zu haben, da sich seitdem ihr Temperament gelegt hat; zuvor war sie unaufhaltsam, was mich wirklich Nerven gekostet hat! Ruby ist nun 9 Monate und in einem Monat ist der Operationstermin.Was die Gewichtszunahme angeht, da ist noch viel Luft nach oben bei ihr, dennoch werde ich natürlich darauf achten!

    • ich schreibe hier ein paar zeilen, weil ich gerade an einem vortrag teilgenommen habe . kastration ja o.nein .
      meine kleine hündin die gerade ein jahr alt geworden ist hat mit 8 monaten ihre erste läufigkeit gehabt und ist jetzt gerade scheinträchtig . meine überlegung sie zu kastrieren hat sich durch den vortrag grundsätzlich geändert . ich will hier nicht alles erklären .wenn intresse besteht , kann ich die internetseite von udo gansloßer empfehlen. liest es euch durch und ihr werdet schlauer sein als vorher . denn die tierärzte klären nicht über die vor und nachteile auf.

  5. Habe vor 2 Monaten eine 12jährige Hündin aus Rumänien bekommen, die vermutlich schon öfter trächtig war. Jetzt war die Überlegung, sie kastrieren zu lassen. Was würden Sie empfehlen? Kastration ja oder nein?

    • Prinzipiell stellt das Alter alleine keinen Grund dar, ein Tier nicht in Narkose zu legen. Hier sind natürlich entsprechende Alterschecksuntersuchungen und spezielle Narkosen nötig. Die Hündin sollte einem Tierarzt vorgestellt, und das für und wieder dann individuell besprochen werden.
      Natürlich stellt sich die Frage, ob eine Kastration sozusagen prophylaktisch sinnvoll ist.

  6. Meine Havaneser Hündin ist jetzt reichlich 6 Monate. Ich war heute beim Tierarzt, wollte wissen wenn ich sie kastriern sollte. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr diese Operation zumute. Aber wie ich eben jetzt gelesen habe, ist es doch keine schlechte Entscheidung. Wenn ich bedenke, dass das Krankheitsrisiko Krebs usw. doch spürbar gesenkt wird. Eigentlich hatte ich die Operation in Erwägung gezogen, weil im Haushalt noch ein Rüde 5 Jahre lebt. (groß geratener Yorki 6 kg)
    Beide vertragen sich hervorragend, aber wenn sie läufig wäre, dann würde das erhebliche Schwierigkeiten bringen. Wir hatten also von Anfang an geplant, zu Kastriern. Nun habe ich die Kommentare gelesen und bin mir sicher, es ist der richtige Weg. Danke

  7. Sie sind die erste Tierärztin die zu einer Kastration in jedem Fall rät, nicht sehr neutral wie ich finde…

    • Ich denke, wir haben hier sehr wohl Vor- und Nachteile aufgeführt. Die Entscheidung bleibt aber immer eine Besitzerentscheidung! Allerdings überwiegen für mich als Tierärztin bei der Hündin sehr wohl die Vorteile einer Operation.
      Im Gegensatz hierzu raten wir in unserer Klinik bei Rüden nur bei speziellen Indikationen zu einer Operation!

      Dr. S. Fischer

  8. Meine Havaneser Hündin ist jetzt 2 Jahre alt. Bis jetzt konnte ich mich noch nicht zu einer Kastration entscheiden. Bei der letzten Läufigkeit saßen jedoch die fremden Rüden bereits vor der Haustür. Welpen möchte ich auf keinen Fall. Gibt es nicht noch eine Alternative mit der Spritze, die die Läufigkeit unterdrücken soll? Über Ihren Rat würde ich mich sehr freuen.
    Mit freundlichem Gruß
    Sandra Asmussen

    • Es gibt Hormonbehandlungen, wir raten davon aber unbedingt ab. Es kann bei Hormonbehandlungen zu einer Gebärmuttervereiterung, einem lebensbedrohlichenn Zustand kommen. Daher doch lieber beim Tierarzt einen Kastrationstermin vereinbaren.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Sabine Fischer

  9. hallo, ich bin aus luxemburg und hatte von kleinauf hunde.als wir uns ein berger de brie anschafften, eine hündin, wollte mein vater sie kastrieren lassen, da wir 2 rüden hatten.ich kann nur von solch einer operation, die uns damals auch empfohlen wurde, abraten.der hund hat sich im verhalten verändert, war ängstlicher, hatte oft blasenentzündung und wurde trotz spezial futter und agility dick. man bekommt das alles so gut aufgetischt doch in wahrheit, ist alles sehr gefaehrlich.und um ehrlich zu bleiben, warum lassen wir hund nicht hund sein.ich als frau will auch nicht operiert werden, will auch keine wechseljahre mit 20.also warum eine hündin so quälen?
    mfg Stephie

    • Dr. Sabine Fischer

      In unserem Artikel haben wir versucht Vor – und Nachteile wertneutral darzustellen.
      Wir beraten unsere Kunden auch entsprechend, die Entscheidung liegt natürlich immer beim Besitzer. Gottsei Dank sehen wir in unserer Klientel so gut wie nie Verhaltensveränderungen und bei entsprechender Futterumstellung auch selten Probleme mit dem Gewicht. Leider gibt es wie Ihr Fall beweist aber doch immer Ausnahmen. Anderseits machen sich andere Besitzer eventuell später Vorwürfe, wenn eine unkastrierte Hündin an einem bösartigem Gesäugetumor erkrankt.
      Und leider oder gottsei Dank können wir nie voraussehen, was uns oder unsere an Krankheiten erwartet.
      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Sabine Fischer

  10. Finde das eine sehr gelungene informative Darstellung von Pro/Kontra… erleichtert einem zwar auch nicht die Entscheidung, aber nimmt einem einige Fragen und ich erkenne, sollte ich meine Hündin kastrieren lassen wollen, wäre sie jetzt schon spät dran. Sie gehört zu den kleinen Rassen und wird wohl grad am Beginn ihrer ersten Läufigkeit sein.

    • Dr. Sabine Fischer

      Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Sollten Sie ihre Hündin kastrieren lassen wollen ist nach der 1. Läufigkeit immer noch eine ganz gute Option. Das Risiko der Entwicklung von Gesäugetumoren steigt zwar bereits nach der ersten Läufigkeit, ist im Vergleich zu unkastrierten Hündinnen trotzdem noch viel niedriger.
      Alles Gute für Ihre Hündin
      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Sabine Fischer

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