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Mein Hund kann nicht alleine bleiben!

Hund sind soziale Lebewesen. Sie leben, wie ihre Vorfahren die Wölfe, in sozialen Gruppen und sind es nicht gewöhnt alleine zurück zu bleiben. Deshalb müssen Hunde erst lernen, dass es normal ist, alleine zu Hause, im Auto oder an einem anderen Ort zu bleiben. Der Hund muss verstehen, dass er nicht ausgegrenzt wird, sondern entspannt zurück bleiben kann, weil sein Rudel immer wieder kommt. Dieser Lernprozess findet idealerweise schon im Welpenalter statt. Schon früh sollte der Hund immer wieder für einige Minuten alleine in einem Raum gelassen werden. Die Dauer kann dann langsam verlängert werden, bis der Hund für einige Stunden allein zu Hause bleiben kann und hierbei völlig entspannt ist. Hunde die dies gelernt haben nutzen die Zeit meist um ungestört zu schlafen, aber auch diese Tiere sollten selbstverständlich so wenig wie möglich allein gelassen werden und ausreichend körperlich und geistig ausgelastet werden.

Hundekopf

Viele Hunde die dies nicht gelernt haben oder schlechte Erfahrungen gemacht haben, entwickeln eine Trennungsangt. Diese äußert sich im Entstehen einer erhöhten Erregunslage, die bereits beginnt, wenn der Besitzer sich die Schuhe anzieht, die Jacke oder den Schlüssel in die Hand nimmt oder dem Hund durch andere Signale zu verstehen gibt, dass er jetzt aufbricht. Im Anschluss zeigen diese Hunde häufig starkes Vokalisieren (Bellen, Jaulen, Heulen), kratzen an der Tür, unruhiges auf und ab laufen, das Zerstören von Gegenständen oder sie setzen Kot oder Urin ab.

Dies Alles geschieht nicht aus bösem Willen, sondern weil der Hund in diesem Moment starke Verlustängste hat. Da es sich um ein Angstverhalten handelt, wäre es kontraproduktiv den Hund zu schimpfen oder zu bestrafen. Häufig schimpfen die Besitzer, wenn sie nach Hause kommen und sehen was der Hund Alles zerstört hat. Dies ist unsinnig und wird für den Hund keinen Lerneffekt haben. Hunde können Handlungen immer nur direkt miteinander verknüpfen. Die Zeitspanne hierfür beträgt maximal drei Sekunden. Zerstört der Hund also um zehn Uhr ein Sofakissen und wird um 13 Uhr dafür bestraft, wird er beim nächsten Mal zwar Meideverhalten zeigen, wenn ein zerstörtes Kissen zu Hause liegt und der Besitzer zurück kommt, er wird aber keine Verknüpfung zwischen seiner Handlung (dem Zerstören des Kissens) und der Bestrafung herstellen können. Würde jemand in die Wohnung kommen und ein kaputtes Kissen auf den Fußboden legen, würde der Hund das gleiche Verhalten zeigen. Dieses Meideverhalten wird oft als schlechtes Gewissen fehl interpretiert. Der Hund kommt meist schon in geduckter Haltung zur Tür und zeigt Beschwichtigung, allerdings aus Unsicherheit und Angst und nicht weil er sich seiner Handlung und den Konsequenzen bewusst ist.

Hat ein Hund Trennungsangst muss über viele kleine Einzelschritte daran gearbeitet werden diese abzubauen. Der muss lernen, dass all die kleinen Reize, wie das Anziehen der Jacke oder das Nehmen der Tasche, nicht mehr ein Verlassen der Wohnung ankündigen. Außerdem sollte der Hund in der Wohnung immer wieder alleine gelassen werden und einen konkreten Schlafplatz bekommen. Hunde mit Trennungsangst sind auch häufig Hunde, die ihren Besitzer permanent kontrollieren möchten. An diesem Beziehungsproblem muss dann parallel über eine Rangreduktion gearbeitet werden. Neue Rituale können zusätzlich trainiert werden.Essentiell ist, dass der Hund während des gesamten Trainingszeitraums nie alleine gelassen wird. Eventuell muss über eines Tagesbetreuung während dieser Zeit nachgedacht werden, falls der Hund nicht immer mitgenommen werden kann.

Das Bekämpfen einer Trennungsangst erfordert viel Geduld, Konsequenz und einen guten Verhaltenstherapeuten, der dem Besitzer immer bei Problemen zur Seite steht.

11 Kommentare

  1. Hallo,
    mein Hund ist inzwischen fast vier Jahre alt, und kann auch nicht allein bleiben. Ich habe alles mögliche versucht. Von Schlüssel klappern, ständiges Jacke an- und ausziehen, Tür auf und wieder zu machen usw.
    Ich habe es selbst verschuldet dass es nun so ist, da er damals zu meiner Arbeit mitkommen durfte. Inzwischen weiß ich absolut nicht mehr weiter.Ich arbeite dort nicht mehr. Nach bereits fünf Minuten geht das Heulen los. Sehr laut, und wirklich fast ununterbrochen. Ich kann zur Zeit leider nichts anderes tun, als ihn ewig überall mit hin zu nehmen-auch wenn es eher suboptimal ist. Ich habe nur langsam Sorge wegen meiner Nachbarn.
    Es wäre nett, wenn ich Hilfe bekommen könnte. Einen Tierarzt der solche Therapien anbietet, kenne ich nicht.
    MfG

  2. Sylvana Schütze

    Sie wurde als welpe überall mit hingenommen und nun haben wir das problem das sie bellt jault mir die tür zerkratzt haben schon alles ausprobiert nichts scheint zu helfen ich bin am verzweifeln und weiß langsam nicht mehr weiter

  3. Sylvana Schütze

    Ich habe einen 8 jährigen labrador mishling und kann ihn nicht alleine lassen was kann ich tun????

  4. Hallo,
    wir haben auch das Problem, dass wir beide arbeiten gehen. Meine Frau hat schon die Arbeitszeit verkürzt und Mittags kommt der Vater und geht eine Runde. Trotzdem jault und kartzt unser Hund an der Tür.
    Ist es vllt. sinnvoll eine Katze als „Genossen“ in die Hausgemeinschaft aufzunehmen, damit noch ein Lebewesen während der „Alleinphase“ im Haus ist?

    • Eventuell kann das hilfreich sein, ohne eine genaue Anamnese lässt sich das aber nicht sagen. Hier ist natürlich auch zu berücksichtigen ob Ihr Hund sich mit Katzen versteht. Ich empfehle Ihnen sich an einen verhaltenstherapeutisch tätigen Tierarzt in der Nähe zu wenden, um einen individuellen Therapieplan zu erstellen. Wenn Sie niemanden kennen, können Sie sich auch an uns im Kleintierzentrum in Erdweg (info@kleintierzentrum-erdweg.de) wenden. Sollte nur das Problem Trennungsangst vorliegen könnten wir Ihnen dort auch mit Telefonterminen und Emailkontakten einen Therapieplan erstellen.
      Dr. S. Fischer

  5. Hallo
    Mein Hund ist jetzt zwei Jahre und kann nicht alleine bleiben. Kann man ihn es noch in dem Alter bei bringen oder wird es für ihn einfach zu stressig .

    • Man kann in jedem Fall eine Verhaltenstherapie beginnen, sollte sich dabei aber fachliche Unterstützung holen. Bei der GTVMT gibt es eine Liste verhaltenstherapeutisch tätiger Tierärzte. Bei weiteren Fragen gerne auch per Email an info@kleintierzentrum-erdweg.de

      Dr. S. Fischer

  6. Wir hatten mit unserem Hund auch diese Probleme, aber wir haben mit wirklich sehr viel Arbeit und Konsequenz dazu beitragen, dass es jetzt endlich ohne Probleme funktioniert. Aber ohne Hilfe hätten wir das auch nicht geschafft.

    • Konsequenz und Mitarbeit der Besitzer ist Voraussetzung, dass es funktioniert. Leider ist das für manche Besitzern schwierig zu managen.
      Aber toll, dass ihr es geschafft habt!

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