Home » Hund » Gesundheit » Paradontalerkrankungen beim Hund

Paradontalerkrankungen beim Hund

Mehr als 80 Prozent aller Hunde über drei Jahren leiden an mehr oder weniger stark ausgeprägten Paradontalerkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparates). Am häufigsten betroffen sind Hunde kleiner Rassen.

iStock_000010207034Small

Von vielen Besitzern werden Zahnstein oder  Entzündungen des Zahnfleisches sehr häufig als reines Schönheitsproblem unterschätzt. Sie stellen allerdings ein Gesundheitsrisiko dar, da die in der Maulhöhle vorhandenen Bakterien über die Blutbahn zu den Organen (Herz, Leber, Niere) gelangen können und dort schwerwiegende Entzündungen mit lebensbedrohlichen Folgen hervorrufen können.

Als Ursache für das Entstehen von Entzündungen werden Zahnstein, Rasse (genetische Veranlagung), Ernährung sowie der allgemeine Gesundheitszustand  (Immunsystem) vermutet.

Zahnbelag (Plaque) bildet sich zunächst auf den Zähnen aus Bakterien, bakteriellen Polysacchariden und Glykoproteinen im Speichel (bereits 6 Stunden nach dem Zähne putzen). Durch Einlagerung von Kalziumphosphat, das abhängig von der Ernährung im Speichel vorhanden ist, entstehtZahnstein (Calculus) (bereits 24 Stunden nach dem Zähne putzen). Weitere  Bakterien lagern sich an und verstärken die  Plaquebildung. Wird Zahnbelag und Zahnstein nicht rechtzeitig entfernt, kommt es durch die vorhandenen Bakterien zur Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis), später zu Zahnfleischrückgang und Übergreifen der Entzündung auf den Zahnhalteapparat (Paradontitis) und Lockerung der Zähne. In hochgradigen Fällen kann die Entzündung auch auf das knöcherne Zahnfach übergehen und zur Knochenauflösung führen.

Paradontalerkrankungen verlaufen für viele Besitzer erstmal unbemerkt und stellen bei der tierärztlichen Untersuchung einen Zufallsbefund dar. Beim Fortschreiten kommt es zu Mundgeruch, verändertem Fressverhalten, Speichelfluss oder Schmerzen bei der Futteraufnahme.

Soweit sollte man es aber gar nicht erst kommen lassen, denn Zahngesundheit ist ein wichtiger Aspekt für Wohlbefinden und Gesundheit. Daher gehört heutzutage die Zahnhygiene beim Hund zur regelmäßigen Vorsorge.

Bei Hunden ist es sehr wichtig bereits im Welpenalter mit der Zahnhygiene zu beginnen. Einmal täglich Zähneputzen stellt die effektivste Form der Vorsorge dar. Ziel ist es erst gar keinen oder möglichst wenig Zahnstein entstehen zu lassen. Verwenden Sie bitte nur spezielle Zahnpasta aus der Tierarztpraxis, da Hunde die Zahnpasta abschlucken. Zahnpasta für Menschen schmeckt dem Hund einerseits nicht, zum anderen enthält sie Fluor und dieses kann beim Hund zu Vergiftungen führen. Sinnvoll ist es, zusätzlich  spezielle Kauknochen oder Kaustreifen anzubieten und vor allem auch ein spezielles Trockenfutter zu füttern. Gerade Hunde kleiner Rassen, die sowieso zur Zahnsteinbildung neigen, werden häufig nur mit Dosenfutter ernährt und folglich die Zähne nicht ausreichend benutzt.

Sollte Ihr Tier bereits Zahnstein haben, hilft nur noch die professionelle Zahnreinigung in der Tierarztpraxis. In Narkose wird, wie bei uns selbst, der Zahnstein mittels Ultraschall entfernt. Anschließend müssen die Zähne poliert werden, um die Zahnoberfläche zu glätten. Ein manuelles Entfernen des Zahnsteins (Wegkratzen) ist  nicht anzuraten, da es hierbei zu Schmelzdefekten kommt und damit die Anlagerung von neuem Zahnstein noch schneller fortschreitet.

Sind bereits eine deutliche Entzündung des Zahnfleisches oder eitrige oder lockere Zähne vorhanden, sollte bereits drei Tage vor der Zahnsanierung ein Antibiotikum verabreicht werden, um die Keimflora in der Maulhöhle zu reduzieren.

In jedem Fall sollte nach der Zahnsteinentfernung eine ausführliche Untersuchung der Zähne und des Zahnfleisches erfolgen. In vielen Fällen ist es auch nötig, entsprechende Röntgenaufnahmen der Zahnwurzeln und des Zahnhalteapparates durchzuführen, um zu beurteilen, wie fortgeschritten hier die Befunde sind. Bereits lockere Zähne oder  Zähne mit stark freiliegenden Wurzeln sollten selbstverständlich gezogen werden. Die Maulhöhle wird anschließend mit einer Chlorhexidinlösung zu Desinfektion gespült. Die Extraktionsstellen sollten unbedingt vernäht werden, da es zu einer schnelleren Heilung beiträgt.

Allerdings reicht eine Zahnprophylaxe in der Praxis nicht aus. Denn je nach Veranlagung  ihres Tieres, bildet sich mehr oder weniger schnell wieder neuer Zahnstein. Daher ist eine effektive Zahnpflege zu Hause unerlässlich.

Wir freuen uns über einen Kommentar von dir!

Deine Email-Adresse wird anderen Tierarztfibel-Besuchern nicht angezeigt.Bitte fülle alle markierten * Pflichtfelder aus. *

*

Navigation
×